Sinn der Trauer - Vortrag
Erläuterung
Trauernde, die sich entschieden haben, in ein Seminar zu gehen und Hilfe suchen, sind oft tief verunsichert. Sie fühlen sich der Trauer ausgeliefert, können ihren Zustand nicht verstehen und halten sich für nicht normal.
Deshalb halten wir einen kurzen Vortrag, in dem wir unsere Sicht auf die Trauer darlegen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass das Wissen um die Natürlichkeit von Trauer zu einer großen Erleichterung führt.
Ein Beispiel für diesen Vortrag:
Trauer
Was ist Trauer eigentlich? Wieso und wozu empfinden wir so? Wozu soll das gut sein?
Da auch schon kleine Kinder Trauer empfinden und wir sie auch bei Tieren beobachten können, muss Trauer etwas Natürliches sein.
Wenn sie aber natürlich ist, muss Trauer einen Sinn für uns haben.
Die Natur tut nie etwas Unsinniges, etwas, das keinen Sinn hat.
Deshalb möchte ich Ihnen heute aus unserer Sicht diesen Sinn etwas näher bringen.
Sinn der Trauer
Wenn wir Menschen einen schweren seelischen Verlust erlitten haben, so wie Sie alle.
Wenn ein geliebter Mensch gestorben ist, dann geraten wir häufig völlig aus dem Gleichgewicht.
Unser Verhalten verändert sich. Wir erkennen uns manchmal selbst nicht mehr.
Unsere Umgebung möchte uns helfen, versteht aber nicht, warum wir uns so anders verhalten, als sie es gewohnt ist.
Wir fühlen uns wund und krank. Wir suchen Hilfe.
Die Hilfe ist schon da und wirkt schon in uns.
Es ist die Trauer
Die uns häufig so umfassend ergreift.
Wenn wir in Situationen geraten, die unsere körperliche oder seelische Gesundheit bedrohen, lässt uns die Natur (Gott) nicht alleine.
Sie hat uns Heilmittel mitgegeben.
Wir kennen alle die Reaktion auf Bedrohungen unseres Körpers durch Verletzungen oder Infektionen. Wir haben Schmerzen, fühlen uns schwach und krank.
Bei großen Verletzungen und schweren körperlichen Erkrankungen können wir einfach nichts mehr tun. Alle Kräfte werden für die Heilung gebraucht.
Bei Infektionen bekommen wir Fieber, wenn unsere Abwehrkräfte in Ordnung sind.
Das Fieber bekämpft die Infektion. Der gesamte Organismus reagiert.
Alle Kräfte werden mobilisiert und auf dieses Ziel ausgerichtet, um zur vollständigen Heilung zu kommen.
Obwohl wir uns elend fühlen, wissen wir, dass das Fieber nicht die Krankheit ist, sondern das Heilmittel.
Genauso verhält es sich mit der Trauer.
Die Trauer fühlt sich an wie eine Krankheit, ist aber das Heilmittel.
Die Natur hält dieses Heilmittel für uns bereit.
Die Trauer heilt bei den vielen seelischen Verwundungen, Verletzungen und Verlustsituationen, die wir erdulden müssen.
Wenn wir genau hinschauen, sehen wir, dass Trauer und Fieber viele Gemeinsamkeiten haben. Häufig stellt es sich so dar:
- Beide machen uns schwach.
- Beide stellen uns ruhig.
- Sie gehen oft mit Schmerzen einher. Der Schmerz hilft, uns ruhig zu halten.
- Sie machen uns handlungsunfähig.
- Sie führen dazu, dass wir uns elend fühlen.
- Sie bringen unseren Wärmehaushalt durcheinander (viele Trauernde frieren, andere haben Hitzewallungen).
- Sie verändern unser Ess- und Trinkverhalten. Einige Trauernde können nichts mehr essen, andere müssen dauernd essen.
- Sie lassen das Herz schneller schlagen oder stolpern.
- Beide verändern zutiefst unser Gemüt und unsere Reaktionsweisen (z.B. sind die einen ruhelos und ängstlich, die Anderen apathisch und still).
- Sie lassen uns zeitweise an der Heilung zweifeln.
- Sie zwingen uns, uns ganz auf uns zu konzentrieren.
- Sie kommen immer wieder, wenn noch etwas zu heilen ist.
Sowohl für die Heilung des Körpers wie auch der Seele werden alle Kräfte gebraucht und genutzt.
Diese Kraft steht dann nicht für andere Dinge zur Verfügung.
Wir sollen in diesen Lebenssituationen anscheinend nichts anderes tun, als auszuhalten und Heilung geschehen zu lassen.
Nun ist es ja so, dass sich Menschen im Fieber ganz unterschiedlich verhalten.
Die einen bekommen auch bei leichten Infekten schnell hohes Fieber.
Andere fiebern nie hoch, auch wenn sie schwer krank sind.
Die einen schlafen dauernd, wenn sie Fieber haben.
Die Anderen bekommen kein Auge zu, sind unruhig und müssen aufstehen, obwohl sie es eigentlich nicht können und zu schwach sind.
Die einen liegen still da und halten es einfach aus und andere jammern und stöhnen. Einige werden sogar richtig grantig und böse.
Die Begleiterscheinungen sind nicht von der Schwere der Erkrankung abhängig.
Es sind die individuellen Reaktionen auf Erkrankungen.
Genauso ist es auch bei der Trauer. Jeder Mensch reagiert anders.
Z.B. fühlen sich die einen zuhause geschützt, vermeiden rauszugehen und brauchen Ruhe, die Anderen halten es zuhause nicht aus, müssen ständig fort und brauchen viele Menschen um sich.
Oder:
Den einen wird alles zuviel. Etwas zu tun, fällt ihnen sehr schwer. Die Anderen müssen ständig etwas tun, obwohl ihnen eigentlich die Kraft fehlt.
So wie sich Menschen ganz unterschiedlich verhalten, wenn sie Fieber haben, so hat auch jeder seine ganz individuelle Art zu trauern.
Deshalb gibt es keine richtige und falsche Art zu trauern.
Solange die Seele Heilung braucht, wird die Trauer, in unterschiedlicher Intensität und mit unterschiedlichen Symptomen wiederkommen.
Heute ist es leider üblich, dass das Fieber, als Heilmittel für den Körper, nicht mehr wirken darf.
Es wird unterdrückt. Die Menschen verlieren dann die Fähigkeit zu fiebern.
Krankheiten werden nicht mehr ausgeheilt und werden chronisch. Irgendwann wird das Fieber sehr vermisst.
Auch die Trauer soll nach Ansicht vieler Menschen schnell unterdrückt werden. Auch sie könnte dann ihre Heilkraft nicht entfalten.
Zum Glück ist uns aber die Fähigkeit zu trauern geblieben.
Sie ist ein großes Geschenk.
Wenn Sie sich demnächst wieder mal wundern, dass es Ihnen schlecht geht, Sie sich selbst nicht mehr kennen, nicht leistungsfähig sind,
wenn Sie am Ende noch böse mit sich sind, dass Sie nicht wie sonst funktionieren,
stellen Sie sich bitte mal folgende Frage:
„Würde ich das alles auch von mir fordern, wenn ich körperlich krank wäre und Fieber hätte?"
„Würde ich das in einer solchen Situation von einem anderen Menschen fordern?"
Bitte gehen Sie liebevoll und pfleglich mit sich um, damit die Trauer ihre Arbeit tun kann.
Trauer kommt nicht als Feindin, sondern als Heilerin.
Helfen Sie ihr. Sie braucht Ihre ganze Kraft.
Heilung braucht Zeit.
Manchmal braucht die Trauer auch viel Zeit und kommt immer mal wieder
3 Jahre danach
Wieder mal gefallen.
Umgerissen von dir
Tief gestürzt
Alle Verletzungen schmerzen
Auch die ganz alten.
Bin krank und wund
Weine und schreie
Wie am Anfang
Warum tust Du das?
Ich ging meinen Weg
War ich zu schnell?
Kamst Du nicht mit?
Ich schaue zurück
Erkenne dich
Schaue dich an
Sehe vieles erst jetzt
Sehe dich neu
Nehme dich mit!
Brutale Trauer,
Meine Freundin.
Dorothea Müller